Historie der Ludwig Brinckmann Bilderrahmengroßhandlung
Fortschritt war nie ein Fremdwort - von Anfang an!
Gelebte Geschichte der Firma Brinckmann von 1862 bis 1962
Die Firma Ludwig Brinckmann blickt in diesen Tagen auf ihr 100 jähriges Bestehen zurück. Dies mag Anlaß sein, der Lebensarbeit der Männer und Frauen zu gedenken, die in guten wie schweren Zeiten die Geschicke der Firma lenkten und denen wir es verdanken, daß wir dieses Fest feiern können.
L. Brinckmann in Münster Spiegel, Goldleisten und Spiegelglass, Gipsfiguren und Kruzifixe, Einrahmen von Bildern, Naturholz u. lackierte Kinderspielwaren, Photographie-Rahmen.
Im Jahr 1862 machte sich Ludwig August Brinckmann, geb. 1830 zu Coesfeld, nach Schul und Lehrzeit in Münster, der aufstrebenden Hauptstadt des Regierungsbezirkes, selbständig, um als Vergolder eine Handlung in Spiegeln, Bilderleisten und Devotionalien mit einer Werksatt für Bildereinrahmungen zu eröffnen.
Die lebhafte Tätigkeit auf dem Spiekerhof (Speicherhof), einer Geschäftsstraße, wie schon ihr Name sagt, in der viele alt-münsterische Unternehmen ihren Ursprung haben, bot ihm willkommene Gelegenheit, dort im Hause Nr. 34 ansässig zu werden.
Die wirtschaftlichen Verhältnisse vor den Deutschen Einigungskriegen 1864-1866 werden
ihn dazu ermutigt haben, zumal mit wachsendem Wohlstand gerade die Dinge gebraucht wurden, auf die er sich verstand. Hansischer Geist des Wagens war ihm eigen; nicht umsonst hatte einer seiner Vorfahren 1712 das ehrenvolle Amt eines Bürgerkapitäns in der Freien- und Hansestadt Hamburg bekleidet.
Fleiß und Tatkraft ließen ihn bald zu einem geachteten Handwerker und Kaufmann werden. Seine junge Frau Dorothea, geb. Feldhaus,- sie war erst 23 Jahre alt – stand ihm bald nach der Hochzeit 1867 auch in geschäftlicher Hinsicht zur Seite. Besonders pflege sie das Spielwarengeschäft, das auf ihre Anregung zum Betrieb hinzukam.
Uns Heutigen sind die Jahre vor der Jahrhundertwende ja nicht mehr gegenwärtig,
gewinnen aber Farbe, wenn wir uns vorstellen, daß keine Hast das Leben beherrschte, daß das Fuhrwerk noch das Straßenbild prägte und daß die Entwicklung der Eisenbahn nur langsam fortschritt.
1848 wurde die Strecke Münster-Hamm eröffnet; 1855 bis nach Emden erweitert, und 1870/71 kam die Verbindung zum Ruhrgebiet über Haltern zustande. Ja, erst 1887 konnte man nach Warendorf mit dem „Pengelanton“ (alte Dampflok) fahren. Der Krieg 1870/71 brachte die Einigung Deutschlands und in einer seiner Auswirkungen eine bedeutende wirtschaftliche und industrielle Entwicklung, die auch unserer Firma zugute kam.
Der Ehe des Gründers entstammen sechs Kinder, drei Söhne und drei Töchter, von denen Johannes, geb. 1878, nach Lehrjahren in Hamburg und Fürth 1906 seines Vaters Nachfolger werden sollte.
Ludwig August, der älteste Sohn, heiratete 1902 und übernahm das im Jahre 1893 neuerbaute Haus Prinzipalmarkt 23 mit der Galanterie-, Spiel- und Luxuswarenabteilung
und firmierte L. A. Brinckmann, während dem Stammhaus der ursprüngliche Charakter blieb.
Vater Ludwig und sein Sohn Johannes führten in diesen Jahren das Geschäft unter dem Namen Brinckmann & Sohn. Erst 1906 schied der Seniorchef aus der Firma aus; er starb im Jahre 1909.
Johannes Brinckmann heiratete 1906 Mimmi Appels, eine Tochter des Atlbierbrauers Jos. Appels. Noch heute ist jedem älteren Münsteraner „Appels Altbiergarten" mit seinen Militärkonzerten ein Begriff. Ein besonderes Ereignis muß damals der Einzug in das inzwischen vorbildlich renovierte und vergrößerte Haus Spiekerhof 34 gewesen sein.
Noch heute ist es, im venezianischen Baustil errichtet und unter Denkmalschutz stehend, ein Schmuckstück in seiner klaren Gliederung und in der Vornehmheit seiner Haltung.
Die Zeit vor dem ersten Weltkrieg, voll guten Glaubens an Fortschrift und den Erfolg tätigen Lebens, war aber nicht frei von Krisen und Erschütterungen. Drohende Wolken am politischen Horizont und internationale Verwicklungen ließen sicherlich manchmal die Menschen aufhorchen. Im wesentlichen aber galt es, voranzukommen und im häuslichen Bereiche wie in geschäftlicher Hinsicht seinen Mann zu stehen.
Zur Entwicklung des Unternehmens trug nicht wenig die Reisetätigkeit Johannes Brinckmanns bei, die sich über das Münsterland hinaus in das Emsland und Oldenburgerland hinein erstreckte. Er bediente sich eines für die damaligen Verhältnisse geradezu revolutionären Mittelseben des Automobils – um dem weitverzweigten Kundenkreis zu dienen.
Auch aus dem Ausland kamen Aufträge, vor allem auf Devotionalen, ein Geschäftsweig, der auch heute, 1962, noch über Auslandsbeziehungen verfügt. Es berührt eigenartig, wenn man nach Jahren der Katastrophen, nach Bombenangriffen, die Milliardenwerte zerstörten, schlichte Postkarten und Briefe aus den Jahren um die Jahrhundertwende vor sich sieht, in denen Geschäftsfreunde aus Holland, ja sogar aus Palaestina und Konstantinopel sich sowohl um Aufträge wie auch um Lieferungen bemühten.
Der erste Weltkrieg sah Johannes Brinckmann in Uniform und nur unter vielen Schwierigkeiten, die die Kriegswirtschaft mit sich brachte, ließ sich das Unternehmen fortführen. Tante Wilhelmines, einer Schwester Johannes Brinckmann, aufopfernder Tätigkeit, oft bis spät in die Nacht hinein, ist ein wesentlicher Anteil daran zuzuschreiben.
Kaum aus den Beschränkungen des Krieges heraus, brach über alle Unternehmen der Zahlenirrsinn der Inflation herein, den durchzustehen, manche Kraft kostete. Das Programm des Hauses Brinckmann aber war und blieb durch alle Erschütterungen hindurch gleich, von den Grundlagen geschäftlichen Handelns bis zum Sortiment, gediegene Ware oder saubere handwerkliche Arbeit für die nun wieder wachsende Zahl von Kunden zu liefern und allen Neuheiten gegenüber aufgeschlossen zu sein.
In dieser Zeit kam auch immer mehr eine Warengattung hinzu:
Schreib-, Papierwaren und Bürobedarf. Zu dem alten, treuen Mitarbeiter, Herrn Rhode, gesellte sich Herr Maaß, der vorwiegend neugeworbene Kunden im Sauerland und Weserbergland besuchte.
Zwei Söhne wuchsen heran, Ludwig und Hans Brinckmann, um nach Lehre und Ausbildung ihrem Vater geschäftlich zur Seite zu stehen. Nach Neigung und Veranlagung fiel Ludwig
Brinckmann vorwiegend die Tätigkeit im Bilderhandel und im Großhandel mit Devotionalien und Schreibwaren zu, während Hans Brinckmann sich dem Glasgeschäft widmete.
Die Wirren des Weltkrieges 1939-1945, zum zweiten Male im so hoffnungsvoll begonnenen Jahrhundert, unterbrachen Entwicklung und Aufbau. Die immer mehr um sich greifende Verflechtung aller Bereiche der Heimat mit dem Kriegsgeschehen ließen nur unter vielen Mühen wie mit immer neuer Improvisationsgabe das Unternehmen durch Kriegs- uns Nachkriegszeit kommen. Die meisten Mitarbeiter wurden Soldat und mancher von ihnen, der für die Firma unersetzlich schien, mußte sein Leben hingeben.
Ausgebombt hier, nach dorthin, ausgewichen, wieder ausgebombt und wieder verlagert, verlangte der Betrieb die letzten Kräfte des Inhabers, der noch verbliebenen Mitarbeiter und von Frau Ruth, geb. Schraeder, der Ehefrau des ältesten Sohnes Ludwig Brinckmann.
Für den Leser mag es übertrieben und unwahrscheinlich klingen: Gebäude und Läger der Firma wurden sechsmal total ausgebombt und viermal mehr oder weniger schwer beschädigt . Tatsachen die wohl mitbestimmend waren für den frühen Tod des Inhabers Johannes Brinckmann im Jahre 1950.
Danach ergab sich die Trennung der bis dahin vereinigten Geschäftsbereiche und führte zur Aufgliederung in die Firmen Ludwig Brinckmann – Bilder, Devotionalien und Schreibwaren – und Brinckmann & Sohn unter Hans Brinckmann als Flachglasgroßhandlung.
Nach der Währungsreform gelang es, unterstützt von einem erfahrenen Stamm von Mitarbeitern, die zu der Zeit zum Teil schon Jahrzehnte in der Firma tätig waren, das Unternehmen wieder im alten Sinne aufzubauen. Der Neubau des Hauptgeschäftsgebäudes in der Bahnhofstraße ist besonders Frau Ruth Brinckmann, neben ihrer geschäftlichen Tätigkeit an der Seite ihres Mannes, zu danken, wie sie sich auch der Wiederherstellung des im Bombenhagel schwer getroffenen Stammhauses, Spiekerhof 34, annahm.
So beginnen Brinckmanns das zweite Jahrhundert, gestützt auf bewährte Grundsätze
geschäftlichen Handelns in aufrichtiger Verbundenheit mit Kunden und Lieferanten, mit
denen sie jahrzehntelange Beziehungen pflegen. Gemeinsame Arbeit vereint sie mit einer Zahl von treuen Mitarbeitern, die oft fürs ganze Leben der Firma alle ihre Kräfte widmeten.
Ihnen allen gilt der aufrichtige Dank und das Versprechen, im neuen Säculum alten Grundsätzen getreu weiterzuarbeiten.

